Infotag „Perspektiven und Chancen“ an der Uni Bayreuth ein voller Erfolg!

Dr. John Martin Hempel während seines Vortrags. Auf der linken Leinwand wird simultan in Schrift- sowie Deutscher Gebärdensprache übersetzt.
Ein Teil des Helfer-Teams vom HörEltern e.V. - ganz vorne links Kilian Deichsel, 1. Vorstand. Rechts daneben Carsten Schaller, Koordinator der Veranstaltung und Mitglied des Vorstands.

BAYREUTH / KULMBACH - Mit rund 180 Besuchern aus dem gesamten Bundesgebiet war der Informationstag „Perspektiven und Chancen hörgeschädigter Kinder und Jugendlicher“ am 20. Oktober 2012 an der Universität Bayreuth ein voller Erfolg. Veranstalter war die Elternvereinigung zur Förderung hörgeschädigter Kinder in Oberfranken, kurz HörEltern, die in diesem Jahr zugleich ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert.

„Nicht sehen können trennt von den Dingen – nicht hören können von den Menschen.“

„Nicht sehen können trennt von den Dingen – nicht hören können von den Menschen.“ Mit diesem Zitat von Immanuel Kant begrüßte Prof. Dr. Gabriele Obermaier für die Universität Bayreuth die Anwesenden. Auch der Bezirkstag von Oberfranken, einer der Hauptsponsoren, vertreten durch Herrn Verwaltungsdirektor Rudolf Burger, hieß die Teilnehmer willkommen. Unter dem Titel „Wer wir sind und was wir wollen“ eröffnete im Anschluss Peter Deichsel, früherer 1. Vorstand des HörEltern e.V., den Vortragsreigen.

Differentialdagnostik als Voraussetzung für Frühintervention

Dr. Helmut Kuke, Leiter des Früherkennungszentrums am Klinikum Minden in Nordrhein-Westfalen, setzte bereits zu Beginn Akzente mit seinem Vortrag zur Differentialdiagnostik als Voraussetzung zur familienzentrierten Frühintervention für hörgeschädigte Kinder. Er verdeutlichte, wie wichtig es ist, frühzeitig die Weichen zu stellen für eine erfolgreiche Integration.

Vom Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) berichtete Lehrerin Jutta Zürl, Markgrafen-Schule Bayreuth, zur Frühförderung und schulischen Integration für hörgeschädigte Kinder in der Praxis. Untermauert wurde dieser Vortrag durch die Erfahrungen aus dem Familienleben von Beate Beyer mit ihren zwei Kindern, die beide ein Cochlea Implantat (CI) tragen. Dabei handelt es sich um eine Innenohrprothese, die bei Gehörlosigkeit eingesetzt wird. Der neunjährige Johannes begeisterte dabei mit seinen erfrischenden Antworten auf die Fragen wie er im Alltag mit seinem Hör-Handicap umgeht.

Cochlea Implantat: bimodal und bilateral

Ein brillianter Höhepunkt war der Vortrag von Dr. John Martin Hempel, Oberarzt an der Universitäts-HNO-Klinik München-Großhadern. Er referierte ausführlich zu Indikation der Cochlea-Implantation, Operation und Ergebnisse. Nach einer Stärkung in Form einer Mittagspause in der Mensa schloss Siegfried Steiner, Hörgeräteakustiker aus Bayreuth, nahtlos an und ergänzte die Thematik mit wertvollen Informationen und Erfahrungen zur bimodalen CI-Versorgung in der Praxis. Darunter versteht man die Nutzung des CI auf dem einen und des Hörgerätes auf dem anderen Ohr, was anhand von Fallbeispielen detailliert besprochen wurde.

Ausbildung und Studium mit Hör-Handicap: keine Zauberei

Carsten Schaller, Student an der Universität Bayreuth und beidseits CI­-Träger, erläuterte anschließend begeisternd, warum ein Studium mit Hör-Handicap heutzutage keine Zauberei mehr ist. So gab er wichtige Tipps und Ratschläge für Studieninteressierte und erinnerte insbesondere daran, dass ein Studienerfolg nicht nur von der Bewältigung der durch die Schwerhörigkeit aufgeworfenen Hürden, sondern auch maßgeblich von der richtigen Wahl des Studienfaches und der eigenen Motivation abhängt. In einem Vortrag von Walter Kern, Leiter der berufs- und studienbegleitenden Beratung für Hörgeschädigte in Münchem, erhielten die Besucher schließlich einen ausführlichen und sehr interessanten Überblick zu möglichen Nachteilsausgleichen im Studium. Beleuchtet wurde dabei insbesondere auch der rechtliche Rahmen und die notwendigen Formalitäten der Antragstellung.

Abgerundet wurde das Vortragsprogramm schließlich von Tina Rupprecht und Sandra Kampfer, die beide mit Hörgeräten versorgt sind und sich in der Ausbildung befinden, worüber sie detailliert berichteten und wertvolle Tipps und Hinweise weitergaben.

Workshops und Diskussionsrunden

Nach einer kurzen Kaffeepause fand noch eine Reihe Workshops statt, die insbesondere auch die Gelegenheit zum intensiven Austausch untereinander boten, was rege genutzt wurde. Angeboten wurden Diskussionsrunden zu Schule, Studium und Ausbildung sowie Praxisworkshops zu technischem Zubehör und die Schrift- bzw. Gebärdensprachdolmetschung über das Internet. Während dieser Zeit wurde im Hörsaal noch ein Vortrag von Kilian Deichsel, beidseits CI-Träger und Student, zum Nachteilsausgleich in der Schule angeboten. Im Anschluss daran referierte die Rektorin der Von-Lerchenfeld-Schule Bamberg, Ulrike Arndt, welche in einem lebendigen Vortrag ihre Schule als Alternative bei einer möglichen kommunikativen Exklusion an der Regelschule vorstellte.

Das komplette Vortragsprogramm wurde sowohl in Schrift- als auch Gebärdensprache gedolmetscht. Sehr bemerkenswert hierbei war, dass eine der eingesetzten Gebärdendolmetscherinnen selbst gehörlos war und zum ersten Mal – mit Bravour – im Rahmen einer solchen Großveranstaltung zum Einsatz kam.

Bundesweit großes Interesse an der Veranstaltung

Das sehr große bundesweite Interesse an der Veranstaltung hat deutlich deren Notwendigkeit und den hohen Bedarf an qualifizierten Informationen aus erster Hand gezeigt. Die teilnehmenden Eltern, Jugendlichen und Studenten konnten somit nachhaltig profitieren, was den Infotag zu einer rundwegs gelungenen Veranstaltung macht.