„Hilfe! Unser Kind ist schwerhörig.”

Ein Teil unserer schwerhörigen Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihren Eltern beim Familientreffen 2010 im Frankenwald.

So ist es uns betroffenen Eltern allen ergangen. Bei einigen Kindern wurde die Schwerhörigkeit bereits im Säuglingsalter festgestellt, bei anderen Kindern wiederum erst im Kleinkindalter. Doch die Unsicherheiten, die Ängste, die Niedergeschlagenheit und der riesige Berg unbekannter Probleme waren bei uns betroffenen Eltern alle gleich.

Wie geht es weiter? Was kann unser Kind überhaupt akustisch wahrnehmen? Wird es jemals sprechen lernen? Kann es einmal die Regelschule besuchen? Und, und, und ...

Mit all diesen Fragen im Kopf suchten wir Hilfe. Wir erfuhren, dass unsere Kinder Hörgeräte angepasst bekommen, dass sie eventuell ein Cochlea-Implantat erhalten werden, dass unsere Kinder Frühförderung zur Sprachanbahnung erhalten werden, und noch vieles mehr.

Und doch standen wir alle mitten in einem langen dunklen Tunnel, in dem kein Licht zu sehen war, denn am Anfang ist die Arbeit oft entmutigend und enttäuschend. Unser Leben hatte sich plötzlich völlig verändert. Auch blickten wir mit Neid auf die riesigen Entwicklungsschritte der Kinder unserer Freunde und Bekannten.

Wir haben deshalb auf diesen Seiten einige Lebensläufe zusammengefasst. Sie sollen betroffenen Eltern zeigen, wie sich unsere Kinder, die früher als taub bezeichnet worden wären, entwickelt haben und was alles unternommen wurde, um die Kinder zu fördern. Vor allem wollen wir zeigen, dass es am Ende dieses langen Tunnels auch wieder heller wird!

Lebensläufe unserer Kinder und Jugendlichen

Lukas *03.05

Johannes *11.02

Julia *05.93

Johannes *03.93

  • Ausführlicher Bericht bis zum vierten Lebensjahr
  • Bis 1995 keine Sprache.
  • 08.95 Untersuchung in der Uniklinik Würzburg;
    Diagnose: hochgradige, an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit. Versorgung mit Hörgeräten durch das Förderzentrum für Hörbehinderte in Bamberg
  • Verordnet wurden nach Ausprobieren Phonak Picoforte PP-C-P2
  • Beginn der Frühförderung durch Frau Wicht (Förderzentrum Bamberg) zu Hause bis zum Schuleintritt und Besuch beim Logopäden ab dem 4. Lebensjahr
  • Johannes kam mit Hörgeräten sehr schnell in die Sprache
  • 1996: Aufnahme in den Regelkindergarten in Hof (Waldorfkindergarten)
  • Wortschatz und Aussprache verbesserten sich zusehends
  • 11.1999: Anpassung neuer Hörgeräte. Phonak Novoforte E4 durch Herrn Wessling. Diese HG waren nochmals um einiges lauter und Johannes profitierte viel mehr davon.
  • 2000: Aufnahme in die 1. Klasse Regelschule (Freie Waldorfschule Hof, führt die Klassen 1-13).
  • In der Schule hatte er noch keinerlei Probleme aufgrund des Hörschadens
  • 08/2005 Anpassung digitaler HG Siemens Infiniti Pro SP, dadurch nochmalige Verbesserung des Hörens.
  • Hörkurve ohne HG hat sich im Laufe der Jahre noch ein wenig verschlechtert
  • 12/2005: CI-Implantation (Nucleus Freedom) in Regensburg
  • 2006: 7 Reha-Tage in Regensburg übers Jahr verteilt.
  • 02/2009: zweites CI (Nucleus Freedom) in Regensburg
  • Johannes profitiert sehr sehr viel vom CI und besucht zur Zeit die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Hof.

Stefanie *03.91

Stefan *10.90

  • 10.91 Uni-Erlangen diagnostiziert hochgradige, an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit
    - erste Hörgeräte Interton Supra 53, - seitdem Frühförderung durchs Förderzentrum BA
  • 6.92 zweite Hörgeräte der Uni-ER Siemens 284 PP-AGC-I
  • 7.92 dritte Hörgeräte lt. Fözentr. BA Picoforte PP-C-L
  • 11.92 lt. Dr. Baschek/ Hr. Bagus - Stefan´s Hörverlust liegt bei ca. 90dB
    -> 4. Hörgeräte Phonak SF PPC4 - Stefan kommt damit auf ca. 30dB
  • 93 SVE-Kurse in Friedberg und bei Integrare Porta Westfalia
  • 94 Besuch des Regelkindergartens, 95 zzgl. Ergotherapie
  • 1.96 Hörsturz festgestellt -> Vertäubung 120dB, deshalb u. wegen bevorstehenden Schulanfangs
    geht er ab 9.96 in die SVE des Föz BA, zzgl. Logotherapie
  • 97 1.Kl. f. Gehörlose am Föz BA, 98 5. Hörgeräte Phonak Novoforte E4
  • 98 1.Kl. Regelschule - Rektor und Lehrerin machen sehr gut mit
  • 04 7.Kl. Regelschule - nochmalige Verschlechterung des Gehörs,
    Stefan liest fast nur noch von den Lippen ab ->
  • 11.04 MHH Hannover CI-Implant Cochlear Nucleus Esprit 3G, 12.04 Erstanpassung u. 1.Reha
  • 2005 Reha 2-6 in Werscherberg, Stefan ist dabei neu das Hören zu lernen, deshalb
  • 7.05 Übertritt in die 8.Kl. Gehörlose am Föz. BA - Stefan entwickelt sich deutlich besser
  • 2007 Quali-Abschluß i. d. Schule für Hörgeschädigt Föz. BA - beginnt 8.07 seine Ausbildung 
    als Feinwerkmechaniker am BBW-Leipzig und will weiter bis zum Konstrukteur

Thomas *06.89

Carsten *08.88

  • CI-Implantation (Med-El Pulsar / Opus 2) am 27.10.08 in Würzburg
  • seit 10/09: Studium Geoökologie an der Universität Bayreuth
  • 09/2010: zweites CI (Med-El Pulsar / Opus 2) in Würzburg

Valentin *87

Kilian *10.87

  • CI-Implantation (Med-El PulsarCI / Opus 2) am 27.7.07 in Würzburg
  • 07/08: zweites CI (Med-El PulsarCI / Opus 2) in Würzburg
  • seit 10/08: Studium Elektrotechnik und Informationstechnik (Bachelor) an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg

Jens *12.84

  • 2/87 immer noch auffallende Retardierung in der Sprachentwicklung
  • Untersuchung in der Stimm- und Sprachklinik Erlangen;
    Diagnose: hochgradige, an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit
  • Versorgung mit Hörgeräten durch das Förderzentrum für Hörbehinderte in Bamberg
  • Beginn der Frühförderung durch Fachfrauen des Förderzentrums im heimischen Umfeld
  • 1987 Aufnahme in der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVS) der Sprachheilschule Bayreuth (Markgrafenschule), Außenstelle Pegnitz
  • 1991 Aufnahme in die Regel-Grundschule in Pegnitz;
    relativ problemloser Besuch der 4 Grundschulklassen
  • 1995 Übertritt ans Gymnasium Pegnitz mit Prädikat "geeignet"; einsetzende Minderung der Motivation; Schwierigkeiten mit Latein-Lehrkraft und mittelgradige Schwächen in den beiden Fremdsprachen
  • 2/99 Wechsel an die Realschule I in Bayreuth: "Befreiungsschlag- Schule läuft wieder glatt;
  • 2001 Mittlerer Schulabschluss an der Realschule Bayreuth
  • 2001 bis 2004: Berufsausbildung zum "Fachinformatiker - Systemintegration am Staatlichen Hochbauamt in Bayreuth
  • 2004 bis 2005: Berufsoberschule BOS 12T in Bayreuth; Erwerb der Fachhochschulreife
  • 2005: Hochschule Hof, Studium "Angewandte Informatik - Schwerpunkt Netzwerkanwendungen - Vordiplom 2006
  • 12.2006: Studium im 3. Fachsemester (Hauptstudium);
  • 07/2009: Diplom Angewandte Informatik (FH)
  • seit 10/2009 Studium der Angewandten Informatik (Master) mit Schwerpunkt Umweltinformatik an der Universität Bayreuth

Michael *84