Studium mit Cochlea-Implantat und Hörgeräten?
Die gute Nachricht lautet: „Ja, es ist möglich!“. Zwar kostet es aufgrund des Kommunikations- und Verständnisdefizits deutlich mehr Anstrengung und Arbeit als für Normalhörende, doch die Bedingungen eines Hochschulstudiums sind für Schwerhörige heute tatsächlich schaffbar.
Wichtig ist hierbei jedoch eine gute Vorbereitung. Als Tipps wären insbesondere zu nennen:
- Studieninformationstage nutzen: Viele Hochschulen bieten speziell für Studieninteressierte Informationsveranstaltungen, Schnuppertage oder einen „Tag des offenen Hörsaals“ an. Hier gilt es Uniluft zu schnuppern - und insbesondere zu testen, wie die Professoren auf die Notwendigkeit des Tragens der FM-Anlage reagieren. Zudem kann man bereits hier weitere Fragen zum Studiengang direkt klären.
- Information vorab: Zumindest mit dem für die Studiengangskoordination zuständigen Professor sollte man bereits vor Beginn des Studiums Kontakt aufnehmen und diesen über die Besonderheiten, wie z.B. das Tragen der FM-Anlage und die Notwendigkeit des Lippenablesens informieren.
- Hilfsmittel: Ein gerade im Hörsaal in der Regel unentbehrliches Hilfsmittel ist die FM-Anlage, die es ermöglicht, den Professor akustisch optimal zu verstehen. Die von uns gemachten Erfahrungen zeigen, dass das zusätzliche Mikrofon von den Dozenten in der Regel problemlos getragen wird - auch dann, wenn er sich schon mit dem Hörsaalmikrofon „herumschlagen“ muss.
- Bildschirm-Präsentationen: Sehr viele Dozenten, insbesondere in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, setzen heutzutage Präsentationen, z.B. mit PowerPoint, ein. Hier empfiehlt es sich, sicherzustellen, dass man diese auch dann bekommt, wenn der Professor sie nicht im Internet veröffentlicht.
- Mitschriften: In manchen Vorlesungen ist es notwendig, den Vortrag des Dozenten schriftlich festzuhalten. Hier haben Schwerhörige häufig das Problem, dass ein gleichzeitiges Zuhören und Mitschreiben sehr problematisch und teils unmöglich ist. Empfehlenswert ist es hier, sich die Aufzeichnungen eines Kommilitonen zu kopieren. Darüberhinaus gibt es die Möglichkeit, spezielle Mitschreibkräfte zu beantragen.
- Nachteilsausgleich: Schwerhörige benötigen bei mündlichen wie schriftlichen Prüfungen in aller Regel einen Nachteilsausgleich.
Studiengänge
Gibt es Studiengänge, bei denen schon Erfahrungen vorliegen? In der Tat, die gibt es. Auf der Homepage der Berufs- und Studienbegleitenden Beratung für Hörgeschädigte (BEST) finden sich Erfahrungsberichte zu verschiedenen Berufszweigen und Studiengängen. Desweiteren finden sich auch bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V. interessante Berichte.
Auch wir sammeln entsprechende Berichte:
- Elektrotechnik & Informationstechnik (FH), Vortrag von Kilian Deichsel auf dem Studieninformationstag am 12.02.10 an der Samuel-Heinicke-FOS München
Ansprechpartner im HörEltern-Verein
Wenn Du Fragen zum Studium mit CI und Hörgeräten hast, kannst Du diese gerne mit uns klären:
- Kilian Deichsel - Studium der Elektro- und Informationstechnik, Studium an Fachhochschulen, speziell auch zum Studium an der GSO-Hochschule Nürnberg - kilian.deichsel(at)hoereltern.de
- Carsten Schaller - Studium der Geoökologie (Umweltnaturwissenschaften), Studium an Universitäten, speziell auch zum Studium an der Universität Bayreuth - carsten.schaller(at)hoereltern.de
